Der Colbitzer Lindenwald

Europas größter Lindenwald

Ein einzigartiges Naturerlebnis

Der Colbitzer Lindenwald

Der Colbitzer Lindenwald – mit seiner mehr als 200 Hektar großen, unter Schutz gestellten Waldfläche ist er der größte geschlossene Lindenwald Mitteleuropas und zählt zu den ältesten Naturschutzgebieten Deutschlands.

Durch das Naturschutzgebiet führen 2 ausgeschilderte Wanderwege: der kleine Lindenwaldrundweg mit einer Länge von ca. 1,5 km und der große Lindenwaldrundweg mit einer Länge von 4 km.

Anfahrt und Wanderwege durch den Colbitzer Lindenwald

Den Colbitzer Lindenwald finden Sie nördlich des Heidedorfes Colbitz ca. 20km nördlich von Magdeburg. Er gehört zum bewaldeten südlichen Teil der Colbitz-Letzlinger Heide.

Er ist ein Naturschutzgebiet in dem eigentlich ein Betretungsverbot herrscht. Ausgenommen von diesem sind 2 Rundwege die Sie auf der Karte finden. Die beiden Rundwege schneiden auch nur den südlichen Teil des Colbitzer Lindenwaldes. In das eigentliche Kerngebiet dringen auch diese nicht vor.

Die Anfahrt zum Lindenwald ist ab Colbitz ausgeschildert. Die letzte Parkmöglichkeit finden Sie am ehemaligen Waldgasthof Rabensol. Von dort aus sind es noch ca. 500m bis zum Startpunkt der Rundwege.

Download Infoblatt mit Wanderkarte und Kurzbeschreibung als PDF zum Ausdruck

Der Colbitzer Lindenwald - Was macht ihn so einzigartig?

Mit Moos überwachsener Baumstamm im Colbitzer Lindenwald

Was ist nun so besonders am Lindenwald? Sie werden dort eine weltweit einzigartige Lindenmischwald-Gesellschaft vorfinden. Diese steht unter Schutz und wird seit mehr als 200 Jahren nicht bewirtschaftet. Deshalb hat sich im Laufe der Jahrhunderte ein Gefüge aus Pflanzen- und Tierreich entwickelt wie es sie auf der Welt kein zweites mal gibt.

Im normalen Wirtschaftswald werden Bäume geerntet, umgestürzte Bäume werden beräumt und  krankes Holz wird entnommen. Im Lindenwald geschieht dies nicht. Dort lässt man das Werden und Vergehen in der Natur, den Kreislauf des Lebens zu. Die Bäume dürfen hier ihren letzten Lebensabschnitt durchleben, sie dürfen hier alt werden und sterben.

Was das bedeutet erkennt man auch gleich beim ersten Betreten des Colbitzer Lindenwalds. Der Lindenwald ist kein „aufgeräumter“ Wald. Umgestürzte Bäume und morsches Holz bedecken seinen Boden, abgestorbene Äste an alten Baumriesen und tiefe Spalten und Baumhöhlen in den alten Baumstümpfen. Die Fachleute nennen solches Holz Totholz. Totholz ist ein wichtiger Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen der in anderen Wäldern fehlt da dort die Bäume geschlagen werden bevor sie sterben. Deshalb finden sich in unserem Lindenwald auch viele Tiere und Pflanzen die woanders nur noch selten anzutreffen sind.

Der Colbitzer Lindenwald - Ein paar Fakten müssen sein!

Pilze an Totholz im Colbitzer Lindenwald

Man mag es kaum glauben aber der Colbitzer Lindenwald zählt zu den ältesten Naturschutzgebieten Deutschlands. In ihm hat sich über die Jahrhunderte ein weltweit einzigartiger Laubmischwald aus Winterlinde, Traubeneiche und Hainbuche entwickelt.

Boden und Bauwipfel werden unter anderem von Baummardern, Rötelmaus, Blindschleiche und Kreuzotter, Hirsch, Waldkauz und Schwarzspecht bevölkert.

Ein phantastisches Naturschauspiel ist die jährliche Anemonenblüte (im April). Dann bedecken die leuchten weißen Blüten der Busch Windröschen den Boden unter den alt ehrwürdigen Linden. Kurz darauf folgt dann auch schon die Lindenblüte die von den Hummeln und Bienen sehnsüchtig erwartet wird.

Der Lindenwald dehnt sich auf einer Fläche von 220 ha aus. Bereits im Jahr 1907 wurden davon 40 ha unter Schutz gestellt. Im Jahr 1920 erweiterte man das Gebiet auf 128 ha und 1939 auf 185 ha. Eine Fläche von 28 ha wurde total geschützt und für eine urwaldartige Behandlung vorgesehen. Das bedeutet, dass der Wald dort nicht bewirtschaftet werden darf. Hier wollte man sehen was mit einem Wald geschieht wenn er sich selbst überlassen wird.

Der Colbitzer Lindenwald ist also auch ein mehr als 75 Jahren laufendes Forschungsprojekt. Nach einigen Grenzkorrekturen im Jahr 1958 umfasst das Naturschutzgebiet heute eine Fläche von 188 ha. Weitere 147 ha wurden 1992 vorsorglich gesichert um sie später unter Schutz stellen zu können.

Entstehung des Lindenwaldes (Teil 1) - Von der Eiszeit bis zum Urwald

In der letzten Eiszeit in der die Eismassen bis in das Gebiet des heutigen Lindenwaldes vorgedrungen waren, bedeckte dieses Gebiet eine 300m starke Eisschicht. Zum Vergleich, der Magdeburger Dom ist ca. 104m hoch.

Wenn man an einem sonnigen Frühlingstag durch unseren Lindenwald spaziert kann man sich kaum vorstellen, dass sein Ursprung in der Eiszeit liegt. Damals schoben sich riesige Gletscher aus dem Norden bis an unsere Mittelgebirge. Das Eis brachte große Mengen Geröll, Steine und Sand mit sich. Als es dann wärmer wurde schmolz das Eis. Die vom Eis mitgeführten Steine, das Geröll und der Sand blieben liegen und bilden den Untergrund auf dem unser Lindenwald wächst.

Das letzte Mal war das Gebiet des Lindenwaldes in der Saale-Eiszeit mit Eis bedeckt. Die begann vor 300.000 Jahren und endete vor ca. 130.000 Jahren. Zur dieser Zeit lag auf dem Gebiet des heutigen Lindenwaldes eine bis zu 300 Meter starke Eisdecke.

Das große Frösteln endete aber erst vor 15.000 Jahren mit dem Ausklingen der Elster-Eiszeit. Damals reichten die Eismassen noch bis an die Elbe in der Höhe des heutigen Wittenberge und entlang der Elster in Richtung Osten.

Da es immer wärmer wurde konnte sich der Wald langsam seinen angestammten Platz zurück erobern. Vor 12.000 Jahren war unser Gebiet schon mit dichten Wäldern aus Birken und Kiefern bedeckt. Vor 11.000 Jahren wechselte der Baumbestand langsam von Nadelbäumen zu Linden, Hainbuche und Hasel und vor 9.500 Jahren bedeckten dichte Wälder mit Eichen, Buchen, Hainbuchen, Hasel und Birken unsere Region. Wenn der Mensch nicht durch Rodungen den Wald verändert hätte wäre das Gebiet des heutigen Lindenwaldes mit dichten Urwäldern in denen die Buche die Herrin wäre bedeckt.

Entstehung des Lindenwaldes (Teil 2) - Der Mensch verändert die Welt und die Wälder

In der Steinzeit begannen die Menschen große Waldflächen zu roden. Sie braucht Ackerfläche und Weiden für ihre Nutztiere.

Vor ca. 5.500 Jahren begannen die Menschen der Jungsteinzeit den Wald zu verändern. Die bis dahin als Jäger und Sammler umherziehenden Sippen ließen sich als Ackerbauer und Viehzüchter nieder. Aber um Ackerbau und Viehzucht zu betreiben benötigten sie freie Flächen die sie als Felder oder Weiden nutzen konnten. Zuerst nutzten sie natürliche Freiflächen wie Waldlichtungen. Doch irgendwann reichten diese nicht mehr aus und sie fällten mit ihren Steinäxten mühsam Jahr um Jahr, Baum um Baum um diese Flächen zu erweitern.

Erst als die Menschen lernten Äxte mit eisernen Klinger herzustellen wurde das Fällen der Bäume einfacher. Wirklich große Rodungen begannen vor 2.000 Jahren. Die Menschen brauchten das Holz zum Heizen und zum Bau ihrer Häuser und die Freiflächen für Ackerbau und Viehzucht. Bis zum 14. Jahrhundert waren 2/3 aller Waldflächen den Rodungen zum Opfer gefallen.

Doch die wirklich dunkelsten Stunden für unsere Wälder brachen im 17. Jahrhundert an. Für den Bergbau, die Verhüttung von Metallen, die Herstellung von Glas und Keramik wurden unglaubliche Mengen an Holz benötigt. Es kam zu riesigen Kahlschlägen die zur Folge hatten, dass ganze Regionen wie unsere Mittelgebirge entwaldet waren. Im 19. Jahrhundert waren nur noch 3% der Fläche des heutigen Deutschlands mit Wald bedeckt.

Erst als es möglich war vom Energieträger Holz auf den Energieträger Kohle zu wechseln ließ der Druck auf die noch vereinzelt vorhandenen Wälder nach. Durch noch nie dagewesene Aufforstungen die bis heute andauern wird versucht den Wald wieder auferstehen zu lassen. Doch eines kann man mit Sicherheit sagen, den Wald wie es ihn vor 2.000 Jahren gab wird es nie wieder geben. Es gibt in Deutschland keinen „urwüchsigen“ Wald mehr. Der Wald den wir heute antreffen ist im Zusammenspiel von Mensch und Natur entstanden.

Entstehung des Lindenwaldes (Teil 3) - Der Colbitzer Lindenwald entsteht

Sonnen-Nachmittag im Colbitzer Lindenwald

Sonnen-Nachmittag im Colbitzer Lindenwald

Die Geschichte des Colbitzer Lindenwaldes begann vor ca. 200 Jahren. Es gibt in unserer Region die Erzählung, dass Napoleon die Rodung der Waldflache des heutigen Colbitzer Lindenwaldes befohlen haben soll und angeordnet hatte hier Linden zu pflanzen. Wie an all solchen Erzählungen könnte auch an dieser etwas Wahres dran sein.

Von den Rodungen deren fast alle Wälder Deutschlands zum Opfer vielen blieb ein großer Teil der Waldbestände Colbitz-Letzlinger Heide, zu denen der Lindenwald zählt, verschont. Das lang daran, dass der Boden hier so karg ist, dass sich Ackerbau kaum lohnte und der Aufwand der Rodungen sich nicht gerechnet hatte. Deshalb gab es gerade im Gebiet des heutigen Colbitzer-Lindenwaldes Bestände von alten mächtigen Eichen und Buchen.

Anfang des 19 Jahrhunderts besetzten Napoleon unser heutiges Gebiet und gründete das Königreich Westphalen (1807-1813). Es war ein sogenannter Satelliten-Staat in dem Frankreich das Sagen hatte. Da die Amtssprache Französisch war hatte das einfache Volk natürlich den Eindruck, dass alle Anweisungen der Obrigkeit direkt von Napoleon selbst kam.

Um  die weiteren Feldzüge Napoleons zu ermöglichen müssten die Gebiete, welche zum Herrschaftsgebiet Napoleon zählten Abgaben entrichten. Es ging da natürlich um Geld, aber auch Soldaten für seine Armeen, Nahrungsmittel und um hochwertiges Holz für den Ausbau seiner Festungen (Festungsstadt Magdeburg) und seiner Kriegsflotte.

Eine der Maßnahmen Napoleons seine Macht zu festigen war die Säkularisation. Das bedeutete nichts anderes als die Entmachtung der Kirche und das Enteignen ihrer Besitztümer. Dazu zählte auch das Gebiet des heutigen Lindenwaldes. Um die geforderten Abgaben an hochwertigem Bauholz leisten zu können wurde der wertvolle Baumbestand auf dem Gebiet unseres Lindenwaldes, die einst Kircheneigentum waren, einfach gefällt und Napoleons Armeen übergeben. Die wertvollen Holzer wie Eiche, Buche und Esche wurden geschlagen und die minderwertigen Hölzer, wie Linde, Hainbuche und zu junge Eichen, blieben stehen.

Als das Königreich Westphalen 1813 zerfiel fühlte sich niemand mehr für das Gebiet des Lindenwaldes zuständig, es wurde ja enteignet. Es organisierte niemand die notwendigen Aufforstungen, also das Nachpflanzen von Nutzhölzern wie Eichen, Buchen und Eschen. Deshalb wuchsen nun die Baume die von den Rodungen verschont blieben. Und das waren unsere Linden und Hainbuchen.

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