Volkslied – Ein stolzes Schiff

Wissenswertes über Kultur und Liedgut aus der Region
Elbe, Ohre & Colbitz-Letzlinger Heide

Geschichte und Hintergründe

In diesem Lied geht es um die Massen-Auswanderung im 19. Jahrhundert. Was man, beim ersten Hören vielleicht als “Deutschtümelei” abtun würde ist, wenn man sich die geschichtlichen Hintergründe ins Gedächtnis ruft eher einer links-patriotische Geisteshaltung zu zuordnen.

Die Auswanderungswellen des 19. Jahrhundert stehen im Zusammenhang mit großer Arbeitslosigkeit, Hungersnöten und einer absoluten Ermangelung an Perspektiven und Zukunftsaussichten (Parallelen zur heutigen Zeit in Ost-Deutschland zwängen sich förmlich auf).

Auch unsere Region war von diesen Auswanderungen betroffen. Fast ausschließlich junge Menschen mussten ihrer Heimat den Rücken kehren. Im Gepäck die Hoffnung es dort Drüben zu etwas zu bringen und dann die Familie nachholen zu können. Oder, als “gemachter” Mann wieder zurück kehren zu können. Träume die meist nicht in Erfüllung gingen!

Wie schon angedeutet drängen sich hier Parallelen zu der heutigen Situation in der Region Elbe, Ohre & Heide auf. Gerade die jungen und gut ausgebildeten Menschen mussten unsere Region verlassen. Arbeits- und Perspektivlosigkeit haben sie dazu gezwungen. Und auch viele die ihren Wohnsitz hier behalten haben strömen am Sonntagabend über die A2 in Richtung Westen um am Freitagabend für ein paar Stunden wieder heimkehren zu können.

Ein stolzes Schiff

Ein stolzes Schiff streicht einsam durch die Wellen
und führt uns unsre deutschen Brüder fort.
Die Fahne weht, die weißen Segel schwellen –
Amerika ist ihr Bestimmungsort.
Seht auf dem Verdeck sie stehen,
sich noch einmal umzusehen
ins Vaterland, ins heimatliche Grün,
seht, wie sie übers große Weltmeer ziehn.

Sie ziehn’s dahin auf blauen Meereswogen.
Warum verlassen sie ihr Heimatland?
Man hat sie um ihr Leben schwer betrogen,
die Armut trieb sie aus dem Vaterland.
Schauet auf, ihr Unterdrücker,
schauet auf, ihr Volksbetrüger!
Seht eure besten Arbeitskräfte fliehn,
seht, wie sie übers große Weltmeer ziehn.

Sie ziehn’s dahin, wer wagt sie noch zu fragen?
Warum verlassen sie ihr Heimatland?
O armes Deutschland, wie kannst du es ertragen,
daß deine Brüder werden so verbannt:
Was sie hofften hier zu gründen,
suchen sie dort drüben zu finden.
Drum ziehen sie von deutschem Boden ab
Und finden in Amerika ihr Grab.

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