Die Hünengräber im Haldensleber Forst

Ein Ausflug in die Jungsteinzeit in der Region
Elbe, Ohre & Colbitz-Letzlinger Heide

Die Hünengräber im Haldensleber Forst

Hünengräber sind beeindruckende Hinterlassenschaften unserer Vorfahren aus der Jungsteinzeit. Mit einfachsten Mitteln haben sie viele tonnenschwere Gesteinsbrocken über weite Strecken transportiert um aus ihnen Grabanlagen zu errichten.

Die Hünengräber bei Haldensleben – eine Besonderheit bilden hierbei die Hünengräber im Haldensleber Forst. Nirgendwo in Mitteleuropa gibt es eine dichtere Konzentration von Großsteingräbern (auch Hünengräber) als in den Wäldern um Haldensleben. Im Haldensleber Forst findet man heute noch 84 erhaltende Großsteingräber. Weitere 44 zerstörte Anlagen sind noch nachweißbar. Besonders lohn sich der Besuch von 3 sehr gut erhaltene Hünengräbern. Das sind die Küchentannen, das Kaisergrab und die Teufelsküche.

Wanderweg und Karte mit allen Hünengräbern

Das Waldgebiet in dem Sie die Hünengräber finden nennt man auch “historische Quadratmeile”. Es liegt westlich von Haldensleben in Richtung Süplingen an der Landstraße L42.

Der auf der Karte eingezeichnete Weg ist ein Wanderweg auf dem Sie die am besten erhaltenen Hünengräber bewundern können. An manchen Abschnitten befindet sich alle 50m ein erhaltenes oder die Überreste eine zerstörten Hünengrabes.

Das Befahren der Waldwege ist natürlich streng untersagt. Die ca. 4,5km müssen Sie also auf Schusters Rappen zurücklegen. Planen Sie für die Strecke ca. 2 Stunden ein.

In der folgenden Karte sind nur die Hünengräber im unmittelbarem Umfeld des Wanderweges eingezeichnet.

Besondere Großsteingräber
Großsteingräber
Reste von Großsteingräbern

Hünengräber - Wissenswertes und Hintergründe

Hünengräber – wozu und woher kommt dieser Name?

Wozu und wie die Hünengräber genau genutzt wurden kann nicht mit Sicherheit gesagt werden (es war halt niemand dabei). Die meisten Fachleute meinen, dass es sich um so etwas wie rituelle Begräbnisstätten handelt. Sie nennen solche Bauwerke – Megalith-Anlagen – (Megalith aus dem Altgriechischen: megas = groß, lith = Stein). Also Bauwerke aus großen Steinen.

Der volkstümliche Begriff „Hünengrab” bezeichnet solche Megalithanlage. Die Anlagen wurden – wie schon erwähnt – in der Jungsteinzeit (zwischen 3500 bis 2800 v. Chr.) aus Findlingen errichtet. Findlinge sind große Steine die durch Eismassen der Eiszeit in ihre heutige Lage „geschoben” wurden. Da blieben sie dann liegen bis unsere Vorfahren auf den Gedanken mit den Großsteingräbern kamen.

Die Menschen in späteren Zeiten haben sich dann gefragt wer solche Bauwerke aufgeschichtet hat. Die einfachste Erklärung war, dass das natürlich nur Riesen getan haben konnten. Wer sonst hätte solche riesigen Steine bewegen können. Daher auch der Begriff Hünengrab. Hüne kommt aus dem Niederdeutschen und bedeutet soviel wie Riese. Wenn man bedenkt wie so eine intakte Anlage ausgesehen haben muss, kann man sie wirklich für das Grab eines Riesen halten. Dazu aber gleich mehr. Und wenn die Steine nicht von Riesen aufgeschichtet wurden, kann es sich hier doch nur um Teufelswerk handeln 😉 . Deshalb waren sie den Menschen des Mittelalters nicht so ganz geheuer. Die Megalith-Anlagen wurden bewusst zerstört und als Baumaterial verwendet. Manch eine Kirchen in unserer Region stehen auf Fundamenten aus den Steinen von Hünengräbern

Die Erbauer der Hünengräber – der Mensch in der Jungsteinzeit

Die Jungsteinzeit war eine Entwicklungsepoche in der Menschheitsgeschichte die in unserer Region vor ca. 5.500 Jahren begann. Solche Entwicklungsepochen bedeuten immer, dass sich in der Lebensweise unserer Vorfahren etwas verändert hatte. Diese Veränderungen bedeuteten eine Verbesserung der Lebensqualität unserer Vorfahren. In Speziellen waren das:

  • Übergang von Jäger und Sammler zu sesshaften Bauern und Viehzüchtern.
  • Unsere Vorfahren entwickelten Techniken um Vorräte anlegen zu können.
  • Unsere Vorfahren entwickelten neue Handwerkstechnicken. Sie konnten beispielsweise gebrannte Tongefäße herstellen.
  • Sie nutzen Werkzeuge aus Holz, Tierknochen, Geweih sowie Stein- und Feuerstein (deshalb auch Steinzeit).
  • Beile und Äxte hatten Steinklingen die durch Schleifen geschärft wurden.
  • Die Waffen zur Jagd und zur Verteidigung waren Pfeil und Bogen, Steinschleudern, Speere und Speerschleudern.
  • Unsere Vorfahren machten große Fortschritte im Bau von einfachen Häusern.
  • Kunsthandwerk und die Fertigkeiten zur Metallbearbeitung von Reinmetallen wie Gold, Silber und Kupfer entwickelten sich.

Die Herstellung von Gefäßen aus gebranntem Ton war sehr wichtig für unsere Vorfahren. Sie benutzten diese Tongefäße als Vorratsbehälter und Kochgefäße. Je nach Epoche in der Steinzeit fertigten die Menschen unterschiedliche aussehende Tongefäße an. Nach der Form der Tongefäße sind dann ganze Steinzeitmenschen-Kulturen benannt wurden. Bei uns war die Trichter-Becher-Kultur verbreitet.

Die Jungsteinzeit hat in Mitteleuropa auch so etwas wie einen Star. Der prominente Vertreter ist der bekannte Steinzeit-Eis-Mensch Ötzi.

Aufbau eines Hünengrabes

Aber nun zum Aufbau. Die bei uns am häufigsten anzutreffende Form ist das Ganggrab das von einem Hünenbett umgeben ist. Die Hünengräber sind in einer Ost-West-Ausrichtung erbaut worden. In Richtung Süden befindet sich der Zugang zur Anlage (wir haben das für Sie überprüft!).

Das Gang-Grab besteht aus einem Gang der aus aufrecht stehenden großen Steinen gestellt wurde. Dieser Gang wurde dann mit großen Findlingen abgedeckt. Mit Steinplatten haben unsere Vorfahren den Boden des Ganges gepflastert. Das Hünen-Bett ist eine Einfassung des Gang-Grabes. Auch dies besteht aus großen, aufrecht stehenden Steinen.

Wenn alles fertig war wurde die ganze Anlage mit Erde bedeckt. Nun konnte man die Anlage nur noch durch den schmalen, nach Süden ausgerichteten Zugang betreten (bekriechen).

Wenn Sie unsere Hünengräber besuchen, werdet Sie die Bauform sicher wiedererkennen.

Hier lohnt sich ein Besuch besonders

Natürlich ist jedes Hünengrab einen Besuch wert. Trotzdem möchten wir einige Empfehlungen aussprechen um auf Besonderheiten aufmerksam zu machen.

Das Hünengrab "Die Küchentannen"

Bei den Küchentannen handelt es sich um ein rekonstruiertes Hünengrab. In den 1950er und 60er Jahren hat man das Forstgebiet zwischen Haldensleben, Süpplingen und Bebertal genauer untersucht. In diesem Zuge wurde diese Anlage durch Mitarbeiter der Martin-Luther-Universität Halle freigelegt und rekonstruiert. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Sie können dort sogar das Ganggrab betreten (oder besser bekriechen). Sehr gut können Sie dabei den Aufbau der Hünengräber erkennen. Und es ist schon ein merkwürdiges Gefühl wenn man daran denkt wie viele Tonnen Findlings-Gestein über einem ruhen.

Das Hünengrab "Das Kaisergrab"

Das Kaisergrab ist teilweise zerstört. Trotzdem lässt sich hier noch sehr gut der eigentliche Aufbau erkennen.

Das Hünengrab "Die Teufelsküche"

Dieses Hünengrab liegt nicht an unserem Wanderweg. Eine Anfahrtsbeschreibung finden Sie im unteren Bereich dieses Artikels.

Die Teufelsküche ist ein sagenumwobenes Hünengrab. Anders als die Küchentannen ist die Teufelsküche nicht rekonstruiert worden. Das macht sie aber, wohl auch wegen ihrer riesigen Decksteine, nicht weniger beeindruckend. Sie finden sie in der Nähe von Klausort (war mal so etwas wie ein Vorwerk). Klausort ist heute eine Schrebergarten-Siedlung vor den Toren von Haldensleben.

Erhalten sind von der Teufelsküche noch 8 Tragsteine und 2 Decksteine. Ursprünglich sollen es mal 9 Tragsteine und 4 Decksteine gewesen sein. Ob das so war…? Wer weiß…? Jedenfalls ist das Ganggrab erheblich kürzer als bei den Küchentannen aber ein ganzes Stück breiter.

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